Unsere Chronik


1500 - 1800

Aus den Reihen der Sebastiansbruderschaft, einer Vereinigung von Armbrustschützen, die 1482 an der Stiftskirche zu Stuttgart aufgerichtet wurde,
ist im Jahre 1500 die Büchsenschützengesellschaft hervorgegangen und
erhielt die herzogliche Bestätigung.

Dies lag im Zuge der Zeit, nachdem sich neben der Armbrust bei den Söldnern
die Feuerwaffen immer mehr in den Vordergrund geschoben hatten.
Das Jahr 1500 kann somit als das Gründungsjahr der Stuttgarter Schützengilde angesehen werden, deren Mitglieder über die Höhen und Tiefen politischer Geschichte, fürstlicher Machtkämpfe und kriegerischer Auseinandersetzungen hinweg bis zum heutigen Tag in erfreulicher Weise sich immer wieder zusammengefunden und zusammengehalten haben, so daß die Gilde heute der älteste Verein der Stadt Stuttgart ist.

Das erste in Stuttgart durchgeführte Freischießen fand bereits im Jahre 1501 statt und dauerte als Volksfest volle 6 Wochen. An weiteren großen Schießen sind dann in alten Chroniken die 1560 und 1586 durchgeführten Schießwettbewerbe aufgeführt. Bis zum 30-jährigen Krieg, welcher der heiteren Festeslust, wie so vielem anderen, ein rigoroses Ende bereitete, fanden noch verschiedene kleinere Schießen statt. In der Hauptsache diente aber die Gilde ihren Landesherrren als Übungsstätte für ihre Soldaten und Söldner, bis das Schützenwesen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und im 18. Jahrhundert jegliche militärische Bedeutung verlor. Jetzt standen den Landesherrren die stehenden Heere zur Verfügung und die Schützengilden behielten lediglich Vereinscharakter.

Unsere Gilde fand jedoch immer wieder begeisterte Anhänger, die die Tradition weiterführten. So überstand sie auch mit Hilfe der Protektion ihrer jeweiligen Landesherrn und der Stadt Stuttgart die Jahrhunderte.

1800 - 1900
nach oben...

In den letzten hundert Jahren fand in Stuttgart, nachdem dort bereits 1849
das 1. Württembergische Landesschießen abgehalten wurde, im Jahre 1875 das
5. Deutsche Bundesschießen unter der Ehrenpräsidentschaft von Herzog Eugen von Württemberg, von der Gilde ausgerichtet, mit über 7000 Schützen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in einer eigens dafür eingerichteten Schießanlage beim Stöckach statt.

Die Festlichkeiten fanden auf dem weiträumigen Stöckachplatz statt, wo unter anderem eine Festhalle für 4500 Besucher erstellt war. Die Anfahrt zum Festplatz erfolgte mit der "Pferdebahn", die zu diesem Zweck eine eigene Haltestelle einrichtete oder mit Droschken durch die schattigen königlichen Anlagen.

1900 - heute
nach oben...

An weiteren Schießen gab es 1901 ein großes Festschießen zur Feier des 400-jährigen Bestehens. Seit dem Jahre 1905 fand alljährlich im Heslacher Schützenhaus im Zusammenhang mit den Freischießen ein großes Sommerfest statt. Dieses bildete fortan einen Höhepunkt innerhalb des jährlichen Festkalenders der Stadt Stuttgart.

Auch nach dem ersten Weltkrieg wurde diese Tradition weitergeführt.
Zur Feier der silbernen Hochzeit des württembergischen Königspaares fand 1911 ein großes Freischießen statt, woran König Wilhelm II. mit seiner Gemahlin persönlich teilnahm. 1925 besuchten über 420 Schützen das 30. Württembergische Landesschießen, das zusammen mit der Feier des 425-jährigen Jubiläums der Gilde abgehalten wurde.

Auch über die Zeit des "1000-jährigen Reiches" rettete sich die Gilde, als vaterländischer Sportverband in den Reichsbund für Leibesübungen eingefügt und gleichgeschaltet, wie andere Sportvereine, bis 1944 bei einem Bombenangriff das Schützenhaus weitgehend zerstört wurde.
Nun erlag das ganze Vereinswesen auch wegen der vielen Fliegeralarme und der Unsicherheit auf der Straße vollends ganz.
1945 machten dann die Stuttgart besetzenden französischen Truppen dem Anwesen durch Plünderung und Zerstörung, wobei sie auch unsere ehrwürdige Vereinsfahne fortschleppten, vollends den Garaus. Erst auf Grund einer konstituierenden Versammlung am 7. Juli 1949 wurde die Schützengilde mit Erlaubnis des amerikanischen Stadtkommandanten am 8. Oktober 1949 unter ihrem alten Namen in das Vereinsregister eingetragen und durfte damals, ab Mai 1950, mit Luftgewehren wieder schießen. Auch der in guter Hut befindliche Silberschatz kam wieder ans Tageslicht und das beschlagnahmt gewesene Vermögen und Anwesen wurde freigegeben.
Nun mußte mit viel Mut, Energie, Fleiß und pekuniären Opfern an den Wiederaufbau des Vereins und des Schützenhauses gegangen werden. 1954 konnte Oberbürgermeister Dr. Klett in dem inzwischen aufgebauten Saal bei einem Festakt die von den Schützenschwestern gestiftete neue Vereinsfahne weihen.

Im Juni 1959 wurde dann die wiederhergestellte und erweiterte Schießanlage in Heslach eingeweiht und der normale Schießbetrieb wieder in vollem Umfang aufgenommen. In den folgenden Jahren konnte dann die Anlage, die laufend nach den neuesten Erfordernissen ausgebaut und erweitert wurde, auch für Kreis-, Bezirks-, ja selbst für Disziplinen der Landesmeisterschaften zur Verfügung gestellt werden. Obwohl sich die Gilde mit ihrem siebten Domizil in der langen Geschichte weit aus der Stadt in eine Waldklinge zurückgezogen hatte, ereilte sie auch hier das Schicksal eines erneuten Umzugs. Zunehmende Bebauung, Emissionsschutzgesetze und letztendlich die Verlegung der B 14 quer durch die Schießbahnen gaben den Ausschlag.
Nachdem der Tunnel zur Ortsumgehung Heslach auf dem Gildegelände begann, konnte mit der Stadt Stuttgart eine Vereinbarung dahingehend geschlossen werden, daß der Tunnelaushub oben in der Klinge abgelagert, verdichtet und zu einer neuen Schießbahn mit Clubheim gestaltet wurde.

Ab 2. Sept. 1988 (Schlüsselübergabe) ist die Gilde nun in ihrem achten Schützenhaus und hofft erneut, nicht wieder vertrieben zu werden.


Die ältesten Scheiben
nach oben...

Eine Scheibe aus dem Jahr 1597 mit dem württembergischen Wappen. Sie ist die älteste, welche die Gilde besitzt, und die einzige, welche die Stürme des Dreißigjährigen Kriegs überdauert hat. Die Scheibe zeigt die vier seit der Erhebung Württembergs zum Herzogtum im Wappen vertretenen Figuren: Hirschhörner, Teck´sche Wecken, Reichssturmfahne mit dem Reichsadler und Mömpelgard´sche Barben. Nach Rücksprache mit dem Vorstand des Stadt-Archivs liegt der Gedanke nahe, daß die Scheibe geschossen wurde zum Andenken an die am 15. März 1597 geborene Tochter Anna des regierenden Herzogs Friedrich I. und seiner Gemahlin Sybilla von Anhalt.

Die zweitälteste erscheint gerade hundert Jahre später - 1697 - , geschmückt mit dem württembergischen und dem badischen Wappen und der Umschrift:

"Es lebe das Haus Württemberg", "Es lebe das Haus Baden!"

Sie erinnert an den 15. Mai 1697, wo Herzog Eberhard die Markgräfin Johanna Elisabeth von Baden-Durlach heimführte, und an den 27. Juli desselben Jahres, wo seine Schwester Magdalene Wilhelmine mit dem Markgrafen Wilhelm sich vermählte.

1695 7 kleine Scheiben in einem Rahmen zusammengefaßt. Sie stellen griechische Götter dar.


Der heilige Sebastian
nach oben...

Das von Bildhauer Zeiser aus einem eichenen Kelterbaum geschnitzte überlebensgroße Standbild. Die Statue wurde im Jahre 1863 von Kronprinzessin Olga der Schützengilde gestiftet, anläßlich der Einweihung des Schützenhauses am Kanonenweg.